Lokomotivgeschichte(n)
Gare Montparnasse
Der
Gare Montparnasse gehört zu den sechs großen Pariser
Kopfbahnhöfen und liegt im Südwesten der Stadt im 15.
Arrondissement (Place Raoul Dautry). Er wird seit 1840 betrieben, wobei
es zwischen 1848 - 1852 einen Umbau gab. Heute werden täglich
durchschnittlich 315 Züge abgefertigt, der Bahnhof ist ein
wichtiger Knotenpunkt zwischen Paris, der Bretagne, der
Atlantikküste, dem Süden Frankreichs und Spanien.
Berühmt wurde der Gare Montparnasse durch ein
spektakuläres
Zugunglück im Jahr 1895. Damals durchbrach eine Lok den Kopf
des
Bahnhofs und stürzte auf den Vorplatz.
In den vergangenen 150 Jahren unterlag der Bahnhof vielerlei Umbauten,
am gegenwärtigen Standort wurde er in den 1960er Jahren
aufgebaut
und 1990 nochmals neu gestaltet. Seither hat er die moderne
Glasfassade, die einen Blick nach innen ermöglicht und ins
aktuelle architektonische Konzept von Paris passt. Unter dem Bahnhof
befindet sich ein großzügiger Parkplatz, auf dem
Dach
über den Gleisen ein 230 x 150 m großer Garten, der
Jardin
Atlantique, und das Mémorial Leclerc. Der TGV Altantique
hält im Gare Montparnasse, es werden unter anderem die
Strecken
nach Tours, Bordeaux, Toulouse, Hendaye-Irun (Spanien), La Rochelle,
Brest (Polen), in die Normandie und in die Pariser Vorstädte
angefahren. Die Abfertigung von rund 115.000 Zügen
jährlich
ergibt den Tagesdurchschnitt von etwa 315 Zügen
täglich,
hierbei werden pro Tag außerhalb der Saison rund 175.000,
während der Ferienzeit bis 400.000 Passagiere abgefertigt. Die
französische Staatsbahn SNCF beschäftigt am Gare
Montparnasse
300 Mitarbeiter, die unter anderem an 85 Schaltern Tickets verkaufen,
hinzu kommen 73 Automaten (Stand: August 2011). Oberirdisch
verfügt der Bahnhof über 28 Gleise, davon 9
für den TGV
allein, 8 für Transilien-Züge und 7 für TGV
und TER
Centre gemeinsam. In einem Seitenflügel (Gare Vaugirard)
verkehren
auf vier Gleisen Regionalzüge.
Den
ersten Gare Montparnasse bauten die Pariser unweit seines heutigen
Standortes an der Rue de Rennes am heutigen Platz des 18. Juni 1840.
Der Bahnhof hieß auch noch anders, Gare de l’Ouest
mit dem
Zusatz Rive gauche (etwa: "linke Bank"). Der heutige Bahnhof befindet
sich etwa 300 Meter weiter. Schon ab 1848 wurde der Bahnhof erweitert,
das Verkehrsaufkommen war stark gestiegen. Nach Ende des ersten Umbaus
im Jahr 1852 erfolgte die Umbenennung von Gare de l’Ouest in
Gare
Montparnasse. Ende des 19. Jahrhunderts war er die erste Station
für bretonische Arbeiter, die in Paris ihr Glück
versuchen
wollten. Im Jahr 1895 schließlich ereignete sich das
bemerkenswerte Zugunglück, dessen Bilder um die Welt gingen,
künstlerisch verarbeitet wurden und bis heute zum Kulturgut
gehören - vermutlich, weil ein jeder sich bei
Kopfbahnhöfen
stets fragt, ob und wie so etwas möglich wäre. Das
Unglück fand am Dienstag, dem 22.10.1895 statt. Der
entsprechende
Zug war von Granville an der Atlantikküste nach Paris
unterwegs.
Die Bremsen versagten, die Lokomotive durchschlug die Mauer am Kopf des
Bahnhofs und stürzte zehn Meter tief auf die Straße.
Eine
Person starb bei dem Unglück, die sich auf der
Straße
aufgehalten hatte, während die Zuginsassen inklusive des
Lokführers und des Heizers (die später
bestraft wurden) komplett überlebten.
Der Zug kam mit wenigen Minuten Verspätung im Gare
Montparnasse
an, der erfahrene Lokführer bekam allerdings die Anweisung,
nicht
die üblicherweise benutzte Westinghouse-Bremse zu verwenden,
sondern Lokbremse und die Handbremsen in den Waggons. Damit sollten
Bremsbeläge geschont werden. Dabei verschätzte sich
Lokführer Guillaume-Marie Pellerin, der Zug überfuhr
den
Prellbock und danach die Bahnhofswand. Pellerin und sein Heizer
sprangen von der Lok, diese stürzte auf den Place de Rennes
und
lehnte danach an der Bahnhofswand - dieses Bild wurde berühmt.
Die
zwölf Waggons hingegen waren auf dem Gleis stehen geblieben.
Daher
gab es im Zug auch nur fünf Verletzte. Auf der
Straße starb
Marie-Augustine Aguilard, eine Zeitungsfrau, die Bahn
entschädigte
später die Familie. Der Lok- und der Zugführer, ein
gewisser
Mariette, wurden zu Geldstrafen (50 und 25 Franc, nach heutigem Geld
etwa 244 und 122 Euro) verurteilt, Pellerin bekam zusätzlich
eine
Gefängnisstrafe von zwei Monaten.
Die Rockband Mr. Big verwendete das Bild der abgestürzten Lok
für Lean into it, ein 1991 erschienenes Album, ein Fachbuch
über Fehleranalysen und Unglücksforschung von John
Tayler
verwendete das Motiv ebenfalls auf dem Cover. Auch in einem Comic wurde
es eingesetzt.
Geschichte(n)
von der Eisenbahn aus aller Welt.